Literatur: Hermann Schäfers „Deutsche Geschichte in 100 Objekten“

Tote Objekte erwecken Geschichte zum Leben

Hermann Schäfer: Deutsche Geschichte in 100 Objekten, Piper, München 2015, 656 Seiten, 38,00 €

Warum sollte man ein schweres Buch zur Hand nehmen, das 100 historische Objekte abbildet und beschreibt, wenn man stattdessen ein Museum besuchen könnte? Hermann Schäfer, Gründungspräsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, erläutert im Vorwort die Intention seines Mammutprojektes: aus den ausgesuchten Gegenständen soll ein kunterbuntes und zugleich konkretes Mosaik entstehen, das Neugierde weckt und gerade wegen der subjektiven und zwangsweise lückenhaften Auswahl zum Nachdenken anregt – und das ist ihm gelungen. Die 100 chronologisch angeordneten Objekte stehen sinnbildlich für ganze Perioden oder pointierte Ereignisse, haben historische Prozesse in Gang gesetzt oder gesellschaftliche Strukturen geprägt.

Historisch Naheliegendes, von Reichskrone und Pickelhaube bis zu Dynamo und Judenstern, findet sich neben kulturellen Marksteinen wie Beethovens „Neunte“ und dem Nibelungenlied sowie einer Reihe auf den ersten Blick ungewöhnlicher Gegenstände: Aspirin und Antibabypille ebenso wie das Deutsche Reinheitsgebot oder Angela Merkels Mobiltelefon – Stichwort „Ausspähen unter Freunden“. Das Konzept des 656 Seiten umfassenden Buches stammt zwar nicht von Schäfer selbst, doch die informationsreiche und dabei niemals trockene Umsetzung gelingt ihm mit Bravour. In „Deutsche Geschichte in 100 Objekten“ findet selbst der größte Geschichtsmuffel mindestens ein interessantes Kapitel. Rund fünf Seiten mit mindestens einer farbigen Abbildung eignen sich perfekt dafür, sein historisches Wissen vor dem Einschlafen Stück für Stück aufzufrischen – nach spätestens 100 Tagen ist man diesbezüglich um einiges reicher.

Veröffentlicht am 30. Dezember 2016 in der Straßenzeitung Trott-war.