Beyoncé in der Commerzbank-Arena: Geballte Frauenpower in Frankfurt

Im Rahmen der Formation-Welttournee gastierte Queen B am 29. Juli 2016 in der Mainmetropole – und begeisterte ihre Fans zwei Stunden lang.

49 Konzerte umfasst die Welttournee im Zuge von Beyoncés Ende April über Tidal überraschend veröffentlichten sechsten Studioalbums Lemonade. Knapp zwei Wochen nach ihrem Auftritt in Düsseldorf beehrt Queen B auch die Frankfurter Commerzbank-Arena. Ihr zweistündiges Set beweist neben der stimmlichen Qualität vor allem eines: Professionalität und Stilsicherheit.

Ähnlich chic präsentiert sich das bunt gemischte Publikum – wer hier in Jeans und T-Shirt aufkreuzt, ist definitiv underdressed. Innerhalb von drei Stunden füllt sich das ehemalige Waldstadion mit rund 20.000 Menschen: Von den im Vorfeld angekündigten verschärften Einlasskontrollen ist wenig zu spüren. Und trotz blauen Himmels bleibt das Stadiondach an diesem Freitagabend geschlossen.

Support vom eigenen Label

Pünktlich betritt Ingrid die Nebenbühne und leitet mit ihrem gut zehnminütigen Auftritt drei Stunden musikalische Frauenpower ein. Die Rapperin aus Houston steht bei Beyoncés Label Parkwood Entertainment unter Vertrag, ebenso die Schwestern Chloe x Halle: Eindrucksvoll nutzt das Duo den halbstündigen Auftritt, um Werbung für die ebenfalls Ende April erschienene EP Sugar Symphony zu machen.

Spätestens als die gigantischen Videoleinwände um 20 Uhr erstmals Ausschnitte aus dem visuellen Spektakel um Lemonade zeigen, wird deutlich, dass nicht nur der THX-Sound höchster Qualität entspricht. »Okay ladies, now let’s get in formation!« Die wallende Mähne von einem riesigen schwarzen Hut bedeckt und flankiert von 14 Tänzerinnen betritt Beyoncé unter tosendem Jubel die Bühne.

Profi durch und durch

Ob sie sich wie bei der Acapella-Version von Irreplaceable verletzlich zeigt oder während der militärisch angehauchten Performance zu Run The World die sexy Anführerin mimt: Diese Frau ist Profi durch und durch. Kurz aus der Fassung bringen lässt sie sich nur, als sie einem männlichen Fan in der ersten Reihe das Mikrofon hinhält – und der die Lyrics zu Hold Up losgrölt, als befinde er sich auf dem Wacken.

Während einer kurzen Verschnaufpause erinnert sich Bey daran, wie sie vor 19 Jahren als Teil von Destiny’s Child in der Mainmetropole gastierte und kündigt mit der Botschaft, die wichtigste Beziehung sei die, die man mit sich selbst führe, Me, Myself And I an. In den Jahren seit ihrem Durchbruch ist Beyoncé zu einem Vorbild für Millionen von Frauen avanciert und präsentiert an diesem Abend stolz ihre ausschließlich weiblich besetzte Band.

Ein Hit folgt dem anderen

Songs wie Female Hustler oder ***Flawless passen da natürlich perfekt ins Bild, und während der Himmel über der Arena immer dunkler wird, legen B und ihre Tänzerinnen eine perfekte Choreografie nach der anderen hin: Partition und Daddy Lessons versetzen die Menge geradezu in Ekstase. Bei der von ihr solo auf Knien besungenen Love On Top erstrahlt die Commerzbank-Arena wie ein gigantisches Lichtermeer.

Eine halbe Stunde vor Schluss zieht Beyoncé noch einmal alle Register: In hautenger roter Korsage spielt sie zunächst eine langsame Version des Megahits Crazy In Love, nur um dann zum temporeichen Rundumschlag auszuholen und mit Naughty Girl gleich den nächsten Kracher nachzulegen.

Auf dem inzwischen mit Wasser gefluteten externen Teil der Bühne erweist sich Freedom auch ohne Kendrick Lamar als Highlight. Drei Klassiker beenden einen an Höhepunkten reichen Abend: Im Anschluss an Survivor und End Of Time bedankt sich Beyoncé mit den Worten »I hope tonight was inspiring« bei ihren Fans und schwebt nach dem pompösen Halo mit einem strahlenden Lächeln von der Bühne.

Veröffentlicht am 30. Juli 2016 auf laut.de.