Buchkonzept

Projektskizze für den Ideenwettbewerb gendergerecht!
Buchprojekt: Die Liga der außergewöhnlichen Hessinnen (Arbeitstitel)

Was haben die Gebrüder Grimm mit Rudi Völler, Adam Opel, Johann Wolfgang von Goethe und Hans Zimmer gemeinsam? Erstens: Sie sind berühmt, zum Teil weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Zweitens: Sie sind in Hessen geboren. Und drittens: Sie sind männlich. Wer aber kennt Lotte Specht, Luise Büchner, Elisabeth Schwarzhaupt, Hermione von Preuschen oder Simone Signoret?

Genau das möchte ich mit meinem Projekt ändern: Geplant ist die Herstellung und Publikation eines Buches, das 44 in Hessen geborene Frauen aus ganz verschiedenen Bereichen – darunter Politik, Literatur, Naturwissenschaft, Sport, Wirtschaft und Musik – vorstellt, die es verdienen, gekannt und vielleicht sogar bewundert zu werden. Da ist die Politikerin Elisabeth Selbert, eine der vier sogenannten Mütter des Grundgesetzes; Malerin und Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath; Frauenärztin Kristina Hänel, die kürzlich wegen unerlaubter »Werbung« für Abtreibung verurteilt wurde; die im Vormärz aktive Frauenrechtlerin Luise Dittmar; Spitzen-Unternehmerin Susanne Klatten; die vom NSU 2.0 bedrohte Anwältin Seda Basay-Yildiz; Luftfahrt-Pionierin Käthe Paulus; die in Nepal tätige Entwicklungshelferin Stella Deetjen und viele, viele weitere.

Braucht die Menschheit wirklich noch ein Buch mit gesammelten Biografien beeindruckender Frauen? Spätestens seit dem Überraschungserfolg des 2017 erschienenen, aufwändig illustrierten Kinderbuchs Good Night Stories for Rebel Girls ist auf dem deutschen Buchmarkt eine ganze Reihe ähnlicher Titel erschienen; ursprünglich fast ausschließlich im englischsprachigen Raum publiziert, präsentieren sie sich in der Auswahl der portraitierten Frauen entsprechend anglophil: 100 Frauen, die die Welt verändert haben; Powerfrauen. Was Beyoncé mit Michelle Obama und Anne Frank verbindet; Power Women – Geniale Ideen mutiger Frauen; Furchtlose Frauen, die nach den Sternen greifen, Die einflussreichsten Frauen unserer Zeit, Kick-Ass Women: 52 wahre Heldinnen sowie die Fortsetzung der Good Night Stories.

Was das hier vorgestellte Buch von ihnen unterscheiden soll, ist nicht allein der enge regionale Zuschnitt, sondern auch die Diversität der Erzählformate. Nicht jede Biografie eignet sich, um sie chronologisch zu erzählen oder in einem kurzen Steckbrief zusammenzufassen; nicht jede Lebensleistung lässt sich von einer außenstehenden Person angemessen nacherzählen. Daher habe ich ganz unterschiedliche Formate gewählt, welche die Verschiedenheit der Lebensläufe widerspiegeln. Die Palette der Möglichkeiten umfasst neben den bereits genannten chronologischen Biografien und Steckbriefen unter anderem relevante Auszüge aus Reden und Publikationen der vorgestellten Frau; das detaillierte Nacherzählen einer einzelnen, wegweisenden Episode ihres Lebens; Aussagen von ZeitzeugInnen und Medienschaffenden sowie Interviews mit noch lebenden Protagonistinnen; und nicht zuletzt prägnante und aussagekräftige Fotografien.

Die erste Doppelseite des Buches verzeichnet den Inhalt und enthält neben Namen und entsprechender Seitenzahl einen kurzer Teaser, um unentschlossene LeserInnen von der Relevanz und Besonderheit jedes Portraits zu überzeugen. Dem Verzeichnis folgt ein kurzes Vorwort, in dem ich meine Motivation für dieses Projekt sowie meine Arbeitsziele erläutere. Nach Möglichkeit schließt daran ein weiteres Vorwort einer prominenten Schirmherrin an. Dabei kann es sich um eine der im Buch portraitierten Frauen oder eine frauenpolitische Sprecherin des Hessischen Landtages bzw. Gleichstellungsbeauftragte handeln, welche die Relevanz des Projekts unterstreicht. Daraus resultiert ein Imagegewinn für beide Seiten, der voraussichtlich für erhöhte Aufmerksamkeit auf Seiten der Presse, des Buchhandels und potenzieller KäuferInnen sorgt.

Den beiden Vorwörtern und dem 44 Portraits umfassenden Hauptteil – je nach Textform sind diese zwischen vier und sechs Seiten lang – folgt ein zweiseitiger Epilog, in dem ich die Projektarbeit Revue passieren lasse und den Personen sowie Institutionen danke, die mich bei der Umsetzung unterstützt haben. Anschließend wird den LeserInnen eine zweiseitige Auflistung fiktionaler und nicht-fiktionaler Publikationen rund um das Thema Gleichstellung präsentiert, bevor auf der folgenden Doppelseite die Quellen der für die Recherche verwendeten Literatur und weiteren Medien sowie die Abbildungsnachweise aufgeführt werden. Auf der letzten Seite des Buches finden sich Informationen zur Autorin und der Hochschule Darmstadt als Förderer des Projekts. Insgesamt umfasst die Publikation rund 240 Seiten und entspricht damit einem durchschnittlichen populären Sachbuch.

ARBEITSZIEL

Ziel des Projektes ist das Schreiben und Veröffentlichen eines Buches, dem man jederzeit die Sorgfalt und Mühe anmerkt, die in seine Herstellung investiert wurde. Einige der oben genannten Bücher lassen sowohl inhaltlich als auch sprachlich deutlich erahnen, dass sie im Schnelldurchlauf produziert wurden. Die Frauenportraits des hier vorgestellten Buches bestechen nicht nur durch gründlich recherchierte und viele unbekannte Fakten, sondern bieten den LeserInnen sprachlich wie erzählerisch ein großes Lesevergnügen. Die grafische Gestaltung sorgt dafür, dass man das Buch gerne zur Hand nimmt: Für jedes Portrait ist mindestens eine Farbabbildung vorgesehen; neben einer Fotografie der vorgestellten Frau sind Gestaltungselemente wie freigestellte Zitate, Zeichnungen, Karten, Dokumente und ähnliches vorstellbar.

Da die ausgewählten Frauen so unterschiedliche Leistungen vollbracht haben, kann davon ausgegangen werden, dass jede LeserIn auf mindestens eine für sie oder ihn interessante Lebensgeschichte stößt. Der Zuschnitt auf Hessen spricht insbesondere an Regionalgeschichte interessierte Menschen an, während der feministische Ansatz inzwischen wohl als massentauglich gelten darf und sich die Zielgruppe daher nicht allein auf Frauen beschränkt. Mutmaßlich bilden selbige im Alter zwischen 25 und 55 Jahren dennoch die Kernzielgruppe. Grundsätzlich eignen sich die Texte für LeserInnen ab 14 Jahren und zumindest in Teilen für Angehörige jeder Bildungsschicht – ein gewisses gesellschaftspolitisches Bewusstsein bzw. Interesse darf als vorausgesetzt gelten. Da keine zusammenhängende Geschichte erzählt wird, ist das Buch auch für Menschen attraktiv, die nicht zur Gruppe der Vielleser gehören.

ZEITPLAN

Phase 1: recherchieren

  • Recherche in allen verfügbaren Literatur- und Onlinequellen sowie Besuch von einschlägigen Bibliotheken und Museen (z. B. Luise-Büchner-Bibliothek Darmstadt, Frauenmuseum Wiesbaden)
  • Rechteklärung von abzudruckenden Fremdtexten, z. B. Auszüge aus Publikationen und Reden
  • Kontaktaufnahme zu noch lebenden Protagonistinnen sowie ZeitzeugInnen und Medienschaffenden, ggf. und nach Möglichkeit Führen von Interviews

Phase 2: schreiben

  • Auswahl des jeweils passenden Erzählformats
  • Verfassen von Biografien, Steckbriefen, Episoden etc.
  • Transkription und Textverarbeitung der geführten Interviews
  • Auswahl relevanter Textabschnitte der zur Verfügung stehenden Publikationen und Reden
  • Verfassen von Untertiteln und ggf. Auswahl passender abzudruckender Zitate

Phase 3: bebildern

  • Rechteklärung abzudruckender Fotografien und anderer Dokumente
  • Bildbeschaffung und anschließende Bearbeitung
  • Farb- und Gestaltungskonzept anhand von Wireframes erarbeiten
  • Finale Layout-Erstellung sowie Covergestaltung mit Adobe InDesign CC

Phase 4: fertigstellen

  • Vorwort, Epilog und Autorinneninformation verfassen
  • Inhalts-, Quellen- sowie Literaturverzeichnis anlegen
  • Buchtitel, Untertitel und bibliografische Angaben ergänzen
  • Finale Korrektur und Übergabe der Druckdaten an Druckerei

Phase 5: bekanntmachen

  • Werbetexte verfassen, Leseproben erstellen
  • Landing-Page programmieren und bespielen
  • Kanäle in Sozialen Medien anlegen und bespielen
  • Online-Exemplare an Presse und Buchhandel versenden

Phase 6: veröffentlichen

  • Kontrolle und ggf. Überarbeitung des Vorabexemplars
  • Übernahme der gedruckten Exemplare
  • Vertrieb über Barsortiment, Buchhandel, Büchereien, Hochschule
  • Versand weiterer Exemplare an Medienschaffende und MultiplikatorInnen
  • Offizielle Veröffentlichung am 8. März 2020, dem Internationalen Frauentag

FINANZIERUNG

Eine Kostenkalkulation für das geplante Projekt gestaltet sich aufgrund der Vielzahl von Möglichkeiten äußerst schwierig. Die erste besteht darin, alle im obenstehenden Zeitplan aufgeführten Punkte, abgesehen vom Druck, selbst auszuführen. Die Nachteile hierbei sind zum einen der enorme Arbeitsaufwand und die fehlende Expertise bezüglich der Layout-Erstellung, zum anderen die hohen Kosten: Würde man eine Auflage von 550 Exemplaren im Format 16,5 x 23,5 als Broschur vom in Darmstadt ansässigen Justus von Liebig Verlag drucken lassen, belaufen sich die Kosten auf rund 7.200 Euro netto. Noch teurer gestaltet sich das Vorhaben als Book on Demand, wobei man nur ein Buchexemplar erhält und die übrigen erst gedruckt werden, nachdem sie von KundInnen bestellt wurden. Dies erschwert allein die Marketing- und Vertriebsmaßnahmen derart, dass hiervon im Vorhinein Abstand genommen wird.

Die obenstehende Tabelle orientiert sich an einer verlagsüblichen Kostenkalkulation: Vom Nettoerlös werden zunächst die Herstellkosten abgezogen, die ich an dieser Stelle pauschal so realistisch wie möglich eingeschätzt habe. Davon ausgehend, dass sich alle 500 Exemplare des Buches zum genannten Stückpreis verkaufen, ergibt sich eine Differenz von 3.038,60 Euro, die demnach der Mindestfördersumme entspricht. Einen nicht zu unterschätzenden Kostenpunkt stellt für gewöhnlich das AutorInnenhonorar dar; da es sich hier um ein Hochschulprojekt handelt, sollte die Möglichkeit eines Stipendiums oder etwaigen Literatur- bzw. Kulturförderungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden, um den geplanten Arbeitszeitraum von rund sieben Monaten finanziell zu überbrücken. Ein potenzieller Gewinn wiederum wäre in ähnliche Projekte zu reinvestieren.

Die alternative und von mir favorisierte Möglichkeit besteht darin, ein Exposé sowie Musterseiten des Buches an einen Verlag zu senden. Entschließt sich dieser für die Realisierung, übernimmt er in aller Regel sämtliche Herstellungskosten sowie das AutorInnenhonorar und erhält im Gegenzug die Rechte am Text. In Hessen gibt es eine Reihe von Verlagen, die hierfür in Betracht kommen; darunter der bereits genannte Justus von Liebig Verlag, die Wissenschaftliche Buchgesellschaft, die unter dem Label Theiss populäre Sachbücher vertreibt, sowie der Frankfurter Societäts-Verlag, der sich unter anderem auf Biografien mit starkem Regionalbezug spezialisiert hat. In diesem Fall kann die Projektfördersumme für die Erstellung der Musterseiten sowie Marketingmaßnahmen verwendet werden, die das Budget des Verlags überschreiten.

ERWARTETE ERGEBNISSE

Wir kennen die Geschichten von Kaisern und Königen, Künstlern und Schriftstellern, Generälen und Diktatoren, Päpsten und Priestern, Wissenschaftlern und Politikern – aber wo sind die Frauen? Die uns bekannte Geschichtsschreibung macht sie weitestgehend unsichtbar: Sie vergisst, vernachlässigt, ignoriert oder missachtet ihre Leistungen, Leidenschaften und Lebenswerke. Geschichte ist eine Rekonstruktion der Vergangenheit und bietet Interpretationsmöglichkeiten für gegenwärtiges und zukünftiges Geschehen. Der feministische Blick ist dabei wesentlich; ohne ihn wird Frauen die Möglichkeit einer kollektiven Identität und eines historischen Bewusstseins genommen, eine der wichtigsten Voraussetzungen für selbstbestimmtes Denken und Handeln. Die Liga der außergewöhnlichen Hessinnen setzt genau an diesem Punkt an.

Neben dem zu erwartenden Ergebnis, ein Buch zu veröffentlichen, das eine möglichst große Leserschaft anspricht, steht die Sichtbarmachung marginalisierter, jedoch bedeutender Frauen aus dem sowie für das Bundesland Hessen im Mittelpunkt. Ihr Wirken und Schaffen soll die LeserInnen sowohl inhaltlich als auch sprachlich begeistern, ihr regionalhistorisches Interesse wecken und ihren Wissenshorizont in einem Maße erweitern, der über (Online)-Lexikoneinträge und die Standardbiografien aus den oben genannten Publikationen deutlich hinausgeht. Im besten Fall ermutigt das geplante Buch nicht nur dazu, sich mit der Lebensgeschichte weiterer bemerkenswerter Frauen vertraut zu machen, sondern weckt oder verstärkt den Mut, die eigenen Vorstellungen – welcher Art sie auch sein mögen – in die Tat umzusetzen.